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Geflüchtete – Umgang mit der Ratlosigkeit – Teil I

Ließt man momentan die großen Nachrichtenblätter wird man von der Flüchtlingsproblematik schlicht erschlagen. Es gibt unglaublich viel zu berichten, unzumutbare Szenen spielen sich jeden Tag an irgendeinem anderen Ort ab. Und vermutlich ist es nur eine Frage von Zeit bis sich beim Lesen bei einem selbst ein Angstzustand einstellt.

Die große Politik ist nicht nur überfordert, sondern findet vielleicht gar nicht statt, wenn man das Problem als globales betrachtet. Und es ist doch klar: Es wird nicht aus irgendeiner intellektuellen Debatte heraus eine Lösung entstehen, die uns einen gangbaren Weg weist. Das heißt aber nicht, dass die EU nicht gestalten könnte und somit ein existenziell wichtiges Gerüst liefern könnte für die Ebene, auf der die Dinge sich real abspielen und daher nur dort eben gelingen können oder nicht: Die Lokalpolitik.

Schaut man in verschiedene kleine Lokalzeitungen stellt sich auch die gesamte Lage wesentlich weniger hysterischer dar. Viele Orte scheinen bisher gut mit der Lage umgehen zu können, existierende Probleme sind benennbar, abgesehen davon, dass es an Geld fehlt. Individuell finden sich die nötigen Räume zur Unterbringung, aus der Bevölkerung kommen Spenden und Freiwillige. Hieraus könnte Optimismus entstehen.

Mir scheint hier gerade eine unendlich entscheidender Moment zu sein: Der Pik der „Willkommenskultur“ bietet einen Moment der Begegnung und könnte uns so helfen die vielen Ängste, die gerade so herumschwirren, zu lindern. Das heißt auch den Satz „Ich habe nichts gegen Flüchtlinge, aber…“ ernst zu nehmen, denn er zeigt, denn er deutet vor allem auf ein nicht konkretes Unwohlsein hin. Man kann diesen Ängsten kaum auf einer pauschalen Ebene begegnen, sie sind mit Ideologie nicht zu vertreiben, sondern werden so höchstens stumm geschaltet und kreieren unbewegliche Extreme. Stattdessen müssen wir sie aber runterbrechen, greifbar machen, wir brauchen eine Debattenkultur über diese Ängste, die sich nicht im unendlichen verliert. Dies können etwa BürgerInnenforen liefern, in denen es meisten sehr konkret um einen Gegenstand geht. Doch noch viel mehr unterschiedliche Formen sind gefragt. Dabei kommt es sehr auf die Stimmungswahl der LokalpolitikerInnen und Lokalmedien an.

Wir dürfen einem neu entfachenden Rassismus nicht primär auf nationaler und internationale Ebene oder in soziale Netzwerken begegnen. Hier bieten wir vor allem das Grundnahrungsmittel für all unsere unkonkreten Ängste. Wir sollten dieser Ebene weniger Gewicht geben und dort nicht unsere Energie ins Universum verschießen.

Und wir sollten alles daran setzen, dass auf der lokalpolitischen Ebene aus der Willkommenskultur eine Routine entsteht, die uns die nötige Sicherheit gibt. Sicherheit, die die äußeren Umstände momentan nur durch Abschottung bieten könnten.

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