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Apropos Facebook: To My Account, the Ad-Machine.

„Connect with friends and the world around you on Facebook“
Yes, you, Facebook will dich, als Einzelnes, mit dir, als Anderes, und deinen Anderen, die dich ausmachen, wenn du dich vor ihnen und mit ihnen machst. Aber nicht in Symbiose oder Solidarität, nicht im Kollektiv noch als gemeinsamer Körper. Facebook, deine Plattform, auf der du in Kontakt kommen kannst, mit dir selbst. Mit den Akten des Kontaktens, Likens, Sharens, Addens, Blockens und jedem Klicken, das zu generieren, was du bist und sein wirst: Du, dein Profil hinter dem Account. Das, wofür es, wir, man, dich halten wird, dich ansehen, von dir berichten, dich damit verrechnen, du Kunde, von Facebook, dessen Wert, du Kunde, bist. Das ist das Versprechen von Facebook: Verbinde dich, sei dabei, verbinde dich mit deinen Freunden und dem Rest der Welt. Dann weißt du, was geht, was passiert, was spannend ist. Im Aktualisieren bist du akt-uell, denn dann bist auch du dabei, du Kunde, Kundschafter deines sozialen Netzwerks, die Ressource, die Facebook will.

„You will not provide any false personal information on Facebook,or create an account for anyone other than yourself without permission.“
Gleichsein, gleichsetzen, a ist a, du bist du, und doch bleibt noch etwas dazwischen, etwas setzt sich zwischen dich und dich, und macht dich, einmal festgehalten, auch schon anders, du wirst du, ehe das Du schon ist. Die Lücke bleibt, immer. Aber Facebook macht sie ein Glück kleiner. Kleiner und kleiner machen sie die Daten, die du hinterlässt, die du produzierst, die du werden. Du zeigst dein Bild, und du wirst du. Du klickst einen Link, und du wirst du. Das du, das ist deine Spur, und sie ist so genau, sie ist so sehr überall, wo du warst, dass sie schon vor dir da sein kann und weiß, was du willst. Deine Spur, ein Begriff der Vergangenheit, ist schon ein vorausgeworfener Schatten, eine Zukunft von dir, die du wirst.

Facebook folgt dieser Spur voraus, jede Bewegung, jeder Post, jeder Klick wird getrackt. Nicht nur auf Facebook, sondern überall, wo ein Like-Button oder Logo von Facebook auftaucht, ist Facebook schon da und guckt dir nach, vor dir davon, weiß schon, was du willst. Damit das geht, musst du ein klar abgrenzbares Objekt werden. Du musst auch du bleiben, du darfst nicht wer anders sein, niemals. Darauf wirst du geprüft: Bist du auch wirklich du? Confirmiere dich. Erkenne deine Freunde, dann erkennst du auch dich selbst. Eben dafür brauchst du deine Identität, um dich erkenntlich zu zeigen. Und eben dafür braucht Facebook Cookies, um dich persönlich zu halten: Inhalte, Werbung, Erfahrung werden auf dich zugeschnitten, während Facebook dich vor deinen eigenen Fersen hertreibt. Wir nennen das Tracking.

„What’s on your mind?“
Facebook spricht mit dir, diesem du der Zukunft, dem was du gleich schon geschrieben haben wirst. Denn du als Produktives bist hier gefragt. Du produzierst dich, und damit wirst du produktiv, Produkt, Preis, Prozess, prozessierbar, Profit. Und das ist verführerisch. Facebook verführt uns: Hey, alle sind da, komm doch auch! Und dann bist du da und ziehst dein schönstes Bild an, und suchst Gruppen aus, die etwas über dich sagen, die sich an dein Bild andocken, und du schreibst lustige Kommentare und likest Sachen, die du gut findest, und kannst so endlich darüber bestimmen, was für ein Bild du bist und abgibst.

Das ist das zweite Versprechen: Nicht die anderen, du bestimmst, kontrollierst, wer du bist. Während Facebook bestimmt, wer du sein wirst. Und daraus seinen Profit zieht: 5,64 Milliarden US-Dollar verdiente Facebook in 2015 mit Werbung. Damit das geht, damit die Ad-Maschine funktioniert, musst du adden, sharen, liken, musst du Facebook helfen: Es muss persönlich werden. Je persönlicher du bist, desto mehr Person, desto mehr Profit wirst du sein. Dabei kannst du ruhig anders sein, deviant, solange du du bleibst, dein wahres, authentisches Ich zum Ausdruck kommt.

„Share what’s new in your life on your Timeline.“
Dein Leben wird hier auf Linie gebracht, so, wie das Leben von weiteren 27 Millionen Menschen in Deutschland. Das ist ein Drittel der Gesamtbevölkerung. Das ist mehr als alle deutschen Großstädte zusammen an Einwohnern haben. Aber dieses Wir zerstreut sich, verschart das Neue in Gruppen und zwischen den Netzwerken. Nur manchmal rücken Schockwellen die Facebookbevölkerung zusammen, als Bekundung von Solidarität oder Mitgefühl richten sich dann die vielen plötzlich gemeinsam auf, posten ein Bild, einen Kommentar in die eine Richtung, entrüsten sich in die andere. Aber Facebook ist keine Agora, kein Platz für eine Versammlung, noch ist es Salon oder Kaffeehaus. Salon und Kaffeehaus, sie sind stattdessen auf Facebook. Und Facebook ist ihre Plattform, ihre Drehscheibe: Komm her, komm zu uns, schau, was wir machen, komm doch hier vorbei! Und hier! Hier kannst du dabei sein, das hier interessiert dich womöglich auch, hier sind deine anderen Freunde.

Wer glaubt, dass uns Facebook dabei isoliert, irrt: Nicht mehr Unterwerfung unter eine Norm, die uns gleich macht, und diese formale Gleichheit dem Mitmachen voraussetzt und dafür eine Abgrenzung zum Anderen braucht. Facebook segmentiert stattdessen. Zu eindeutigen Zentren, die Lebensabschnitte, Freundeszusammenhänge, Vernetzungen haben. Sanfte, ausfasernde cuts in der Peripherie, entlang von Haltung, Interesse und Teilnahme. Scharfe cuts zu anderen Zentren als Effekt. Das Segment bestimmt sich dann durch das Verhältnis von dichtem Zentrum und fasriger Peripherie. Je nachdem, wo du in welchem Zusammenhang bist, erfährst du. Du bist, was du erfährst und wie du wirkst. Nicht eingefugt, sondern unbefugt. Ganz und gar, in deiner Segmentalität.

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